Die Mauer muss weg.

Ein Blitz erhellt die Nacht, denn ich fange an mit scharfen Waffen auf die Mauern zu schießen, die mich umgeben und einschließen. Wie im Wahn ziele ich auf die blutroten Backsteine, die dadurch nur erschüttert nicht aber gestürzt werden. Leise rieselt Backsteinstaub auf den dreckigen Boden und begräbt die toten Ratten unter sich. In ihren leeren Augen weint ein Schicksal das ich nicht teilen möchte udn darum eröffne ich das Feuer erneut, bis das Magazin es den Rattenaugen gleich tut und leer ist. Ich werfe meine 9mm zu Boden, die mit einem lauten Klirren die Glasscherben endgültig pulverisiert und gehe auf Wände meiner Zelle zu um ihnen meine Wut entgegen zu schreien. Mein Körper bebt und meine Augen, nass vom Wasser erblicken nicht einen kleinen Riss im Gemäuer. Ich falle mit den Knien in den Staub und beginne mit den Finger an den Fugen zu kratzen auch wenn die Chancen auf Erfolg gleich null sind. Noch bin ich zu stark um mich hinzulegen und aufzugeben um mich in die Hände des Schicksals zu begeben das ich selbst errichtet habe. Solange verzweifelt zog ich diese Mauer hoch um mich vor der Welt zu schützen, das ich vergas eine Türe einzuplanen und nun sitz ich in meiner eigenen Falle. Ich wollte mich beschützen, stattdessen bin ich jetzt eingesperrt und schutzlos ausgeliefert. Mein Blick fällt auf den verdreckten Boden auf dem ein über und über mit Staub bedecktes Bild liegt. Meine Augen werden erneut nass und entwickeln sich schnell zu reißenden Bächen, denn, es ist _dein Bild. Ich streiche dir mit dem Finger den Staub vom Gesicht und halte dich an meine Brust. Ich schließe meine Augen und lasse meinen verzweifelten Hilferufen freien Lauf. Die heißen Tränen fallen auf die toten Ratten und plötzlich war da das Licht, nach dem ich seiten Monaten suchte. Es war die wundervollste Stimme die ich jemals zu hören vermagte, die mich aus meiner Verzwiflung riss und mich wieder auf die Beine brachte. Jetzt war klar, ich muss diese Mauern zerbrechen und all den Staub und Rattendreck zurücklassen um diese Stimme immer und immer wieder zu hören. Mit geschlossenen Augen und dem Mut eines Löwen rannte ich auf die Backsteinmauer zu und als ich dagegen prallte hörte ich ein lautes Knacken. Mein Körper wurde vom Rückstoß zu Boden gezwungen, doch als ich die Augen öffnete und sich der Staub gelegt hatte, sah ich das die Fügen anfingen zu bröseln und die Mauer im Begriff war, wie ich in die Knie zu gehn. Ich stand auf, schob mit meinem Fuß eine tote Ratte zur Seite und ging auf die gegenüberliegende Mauer zu. Mit einem auf dem Boden luegenden Kreidestein schrieb ich folgende Worte auf den roten Stein bevor ich zu dir ging: Ich war hier.

30.9.09 17:16

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