Vergeben.

Der Schnee fiel leise und bedeckte die Straße mit einer dünnen Schicht purer Undschuld, als du in meinen Augen genau diese verloren hast. Wir saßen in einem Zimmer dass plötzlich viel zu groß erschien, weil zwischen uns soviel Platz für ungeklärte Fragen war. Du hattest dich auf dem versessen Sofa niedergelassen während ich auf deinem Bett sas, das mit Erinnerungen übersäht war. Wir starrten auf das verkratzte Parkett um uns nicht zu sehn und auch nicht gesehn zu werden. Es war ein Moment der Stille, der deine eben gesagten Worte quer durch Raum schrie, wie ein Echo, das einfach nicht aufhören wollte zurück zu kommen. Immer und immer wieder drang die Wahrheit in meine Gedanken wie ein brennender Pfeil. Nur löschte das Feuer nichts aus, im Gegenteil, es brachte Dinge ans Licht die wir so lange unterdrückt haben bis sie uns erdrückten.

Meine Gedanken waren leer, weil der Kopf aus Überforderung einfach aufgegeben hatte. Er weigerte sich die Wahrheit als solche anzunehmen und wartete daher auf eine Berichtigung deinerseits. Doch es kam nichts mehr, weil alles schon da war. Jedes noch so kleine Detail war ausgespukt worden von deiner unkontrollierbaren Wut. Einfach so ausgekotzt, mitten in mein Herz. In diesem Moment verlorst du deine Unschuld, die ich dir immer zugesprochen habe, denn du warst schuld.

Man hörte das Knrischen von Schuhen, welche mürrisch durch eine Landschaft aus Undschuld schritten. Wir lauschten dem Geräusch solange, bis man es nur noch hörte, weil man wusste, dass es da war. Wieder Stille. Wieder deine Worte die schrien und zerstörten. Immer mehr ging kaputt, doch keiner sprach. Wir lauschten dem Zerfall unserer Liebe und warteten auf den Schmerz der das letzte bisschen Glück zerreissen würde. Ich stellte fest, dass das Geräusch eines brechenden Knochens nichts war im Vergleich zu der Stille eines brechenden Herzens. Dieses nicht hörbare Geräusch erfüllte den ganzen Raum und nahm die Luft zum atmen, weshalb ich aufsprang und aus dem Zimmer rannte, in dem, wie Zigarettenrauch, die Wahrheit und damit das Ende unserer Liebe lag.

Ich spürte wie die Treppen unter mir knarrten als ich runter rannte auf der Suche nach Luft und Hilfe. Verzweifelt tapste ich durch das dunkle Treppenhaus immer weiter bis ich den klaten Griff der Haustür in meinen zitternden Händen spürte. 'Ausweg', schrie es in meinen Kopf, doch dieser Weg führte nicht ins aus, sondern nur weg von dir. ich riss die Tür auf und trat ins Freie. Kalte Luft strömte durch meine Lungen und begann durch die verdammte Unschuld zu rennen die nun keine mehr war. Sie war nichts weiter als weißer Matsch, genau wie du. Du warst nicht mehr der Engel den ich in dir sah, du warst ein schuldiger Verräter. Und bald hörte ich, dass du auch ein verfolger warst, weil der Schnee unter deinen Füßen aufschrie, die schneller rannten als sie konnten.

Als deine Hand meine Schulter berührte kniete ich verzweifelt und haltlos im Nassen, dass die Straße unter mir schwarz färbte. So sehr ich mich bemühte deine Worte zu verstehen, es gelang mir nicht, weil sie in meinem Schluchzen untergingen, das einfach nicht zu stoppen war. Ich weinte. ich weinte lange und als ich endlich bereit war dich anzuschrein und dir genauso weh zu tun wie du mir weh getan hattest, da lag ich schon wieder in deinen Armen. Dein Oberkörper war über mich gebeugt um mich vom herabfallenden Schnee zu schützen und mir ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Dabei war nichts sicher, außer unser bevorstehender Abschied.

Das Zittern deines Körper war so deutlich zu spüren, dass ich mich übereden ließ wieder in dieses Zimemr zurück zu gehen, das nichts als dreckige Wahrheit enthielt. Hier sasen wir nun wieder, mit dem Unterschied das der Raum fiel kleiner war als vorher. Er war so klein, dass ich deinen Herzschlag spüren und deinen Pulsschlag hören konnte. Wir waren uns so nah wie nie zuvor. Viel zu nah für einen Abschied, doch die Wahrheit drängte sich zwischen uns um genau diesen zu ermöglichen.

Wir schrien die ganze Nacht und den ganzen Morgen. Wir warfen uns alles an den Kopf was uns einfiel und redeten jeden noch so schönen Moment unserer gemeinsamen Zeit kaputt. Am Ende gabst du mir meine Koffer und wortlos verließ ich dein Zimmer. Dann das Haus und zuletzt die Stadt, die vor 2 Tagen noch in der Inbegriff von Glück bedeutete. Ich stieg in irgendeinen Zug und fuhr in irgendeine unbekannte Richtung, weil es egal war wohin es ging. Hauptsache es ging weg von dir und deinen Worten. Und irgendwann, nachdem ich Stunden in verschienden Zügen verbracht hatte, betrat ich mein Zimmer, indem alles noch so war wie davor. Nur ich, ich war anders.


Noch heute bittest du mich um Vergebung, blind wie ich finde, weil du nicht siehst, dass ich dir schon vergebenhatte bevor ich aus dem Zimmer rannte und in den Schnee fiel. Ich schreibe dir keine Unschuld mehr zu, doch genauso wenig gebe ich dir die Schuld, denn ich hab eigensehn, dass wir beide gescheitert sind. 

..


[Ach C., du weist, dass du mir sehr viel bedeutest aufgrund der vergangenen Momente, die dem Kampf den ich führte einen Sinn gaben. Du hast mir in den dunkelsten Momenten die Sonne beschrieben und heute kann ich sie dank dir wieder sehen. Du bist ein wundervoller Mensch, doch dieser verschneite Samstag im Januar hat zuviel verändert und uns die Chance genommen die Liebe zu teilen. Wir müssen lernen damit zu leben, auch wenn der Gedanke, dass eine andere Frau in dein Herz einziehen könnte, das meine zuasmmenziehn lässt. Ich liebe, aber liebe nicht mehr dich, weil du nicht mehr der bist den ich lieben wollte. Jetzt bist du nicht mehr der Mann von dem ich träume, sondern der Schutzengel dem ich vieles zu verdanken habe.]

8.5.09 21:20

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