Nicht zurückschauen.

Ich schaute nicht mehr zurück um dir zu zeigen, dass du mich nicht mehr interessiert. Natürlich war dies gelogen, aber irgendwie musste ich dir den Stich verpassen, den du mir verpasst hast. Ich wollte keine Rache und ich war im Grunde auch kein Böser Mensch, aber ich wollte diesem kleinen Moment der Gerechtigkeit seinen Platz in unserer Geschichte geben. Ich wollte, dass du spürst und begreifst, wie ist, wenn der Mensch, für den man alles riskiert hätte, einem den Rücken kehrt und davon geht. Warum auch sollte gerade _dir dieser schmerzliche Moment erspart bleiben, wo du doch der bist, der im seinem Leben schon so vielen Menschen den Rücken gekehrt hatte? Es war an der Zeit, dich zu verlassen, weil du nie zu mir gehalten hast und immernur dich selbst vor Augen hattest. Du hier und du da. Du warst das eigentliche Wir, weil nichts anderes zählte. Ich selbst war nur Teil deiner wundervollen Gestalt, die unter ihren Kleidern aus fließender Seide die Hässlichkeit personifizierte. Es war als wäre ich stehts nur eine Haarnadel gewesen, die dich zieren und schmücken, sich aber dezent im Hintergrund aufhalten sollte. Du machtest mich zu einem, nein, zu deinem meinungslosen Schmuckstück, dass jeden tag zu funkeln hatte, so bewölkt der Himmel auch war. Und jetzt, da spüre ich zum ersten mal seit du in mein Leben getreten bist einen Hauch von Macht und Bedeutung. Du brauchst mich, weil du selbst nicht glänzen kannst und so halte ich plötzlich die Leine in der Hand. Ich binde dich an und beschließe nicht zurückzuschauen, doch du wimmelst wie kleiner Hund und zwingst mich geradezu noch einmal in deine verheulten Augen zu schauen; in das Gesicht, dass sich in dem Fenster der Mittagssonne spiegelt.

9.2.09 18:59

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